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Ti Sento Timore

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Ti Sento Timore

Beitrag  Awfully Toxic am Do Feb 25, 2010 6:58 pm

Titel: Ti Sento Timore
Autor: Nessaja
Teil der Serie: nach der 5.Staffel- aber keine Spoiler zu Staffel 4 oder 5.
Incomplete

Pairings: keine
Rating (FSK):16
Genre:Mystery

Summary:
Sam und Dean machen Bekanntschaft mit Evelyn, die sie auf eine ungewöhnliche Weise kennen lernen. Schnell lauert auch schon der nächste Fall in den Startlöchern, doch schnell begreifen die drei, das dies nicht nur ein einziger Fall, sondern der Beginn einer langen Reise ist.


Disclaimer (Urheberrecht):
Die Rechte an Dean und Sam unterliegen Kripke und THE CW, Evelyn ist wie die anderen darin vorkommenden Personen frei erfunden. Mit dieser Geschichte verdiene ich kein Geld.


------

Prolog


Die letzte, entscheidende Schlacht war geschlagen. Für einen Großteil der Bevölkerung spielte es allerdings keine Rolle, welche Seite letztendlich gewonnen hatte, denn viele von ihnen waren einfach nur glücklich, dass nun endlich wieder Frieden herrschte. Nur für Sam und Dean Winchester ging die Arbeit jetzt wieder richtig los. Im letzten Jahr hatten sie sich hauptsächlich darauf konzentriert, die in Gang gesetzte Apokalypse zu stoppen, sodass sie sich kaum noch um die anderen übernatürlichen Geschöpfe kümmern konnten, die in jeden Stunden ungehindert durch die Gegend streiften und ihr Unwesen trieben.

Den ganzen Nachmittag über war es drückend schwül in Corpus Christi, einer Hafenstadt im Bundesstaat Texas.
Die Luft stand buchstäblich. Für viele Menschen kam die plötzliche Hitze überraschend, denn es war bereits Anfang November und in den Supermärkten wurden seit fast einem Monat Nikoläuse und Weihnachtsdekoration verkauft.
Und von einem Tag auf den anderen kam die Sommerhitze wieder zurück. Die Bewohner nutzten dieses herrliche Wetter für einen Spontanausflug an die Küste. Doch bereits gegen Nachmittag standen einem die Schweißperlen auf der Stirn, auch wenn man im Schatten der Bäume saß, sodass sich viele wieder in die Kühle ihrer Häuser zurückzogen.

Eine unheimliche Stille lag über der Stadt. Die Straßen waren leer und die meisten Geschäfte, abgesehen von den Tankstellen, hatten geschlossen.
Gegen Abend fegte ein kalter, kräftiger Wind durch die verlassenen Gassen. Dieser trieb unaufhaltbar zerfledderte Zeitungen und anderer Papier- und Plastikmüll vor sich her, während er an den heruntergelassenen Rollos rüttelte. Viele junge Bäume, die die Hafenpromenade säumten, gaben dem Druck nach, knickten ab und blieben auf den Straßen liegen. Die im Hafenbecken vertäuten Segelschiffe stießen mit den Bügen aneinander und untermalten das Schauspiel mit einem ganz eigenen Klang.
Innerhalb weniger Minuten brauten sich die Schäfchenwolken zu Wolkentürmen und schließlich zu Gewitterwolken zusammen.
In der Ferne grollte leise der Donner und nachdem die letzten Sonnenstrahlen endgültig hinter dem Horizont versunken waren, durchzuckten die ersten Blitze den wolkenverhangenen Himmel.
Wer nun seinen Blick nach oben richtete, würde Zeuge eines einmaligen Erlebnisses werden. Ein gleißend heller Feuerball näherte sich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit der Stadt. Hinter sich zog dieser ein weißer Dunstschleier her und tauchte die Luftschichten, durch die dieser raste, in einen unnatürlichen Grünton, der noch am ehesten dem, der Polarlichter gleich kam.
Über dem nahen Waldstück außerhalb von Corpus Christi kam er schließlich herunter. Er verkohlte die Bäume, die um den See inmitten des Waldes standen, und ließ einen Großteil des Wassers im See verdampfen, als er schließlich völlig unspektakulär in den See stürzte. Dann begann es in Strömen zu regnen.


Zuletzt von Nessaja am Sa März 13, 2010 1:24 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

Awfully Toxic
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Re: Ti Sento Timore

Beitrag  Awfully Toxic am Sa Feb 27, 2010 12:10 am

Hier kommt das erste Kapitel- der zweite Teil ist aus Evelyns Sicht.
-----

Dicke Regentropfen klatschten gegen die Scheibe des Impalas. Die Scheibenwischer liefen auf Hochtouren, doch sie kamen gegen die ganzen Wassermassen kaum an. Im Radio wurde gerade der aktuelle Wetterbericht durchgegeben, doch keiner hörte auch nur im Entferntesten hin. Sam blickte gedankenverloren aus dem Beifahrerfenster. Sein Bruder hatte, seitdem es angefangen zu regnen, nichts mehr gesagt, denn er musste sich gewaltig anstrengen, um nicht von der Fahrbahn, auf welcher Aquaplaning herrschte, abzukommen.

Die Straße, die direkt in das Zentrum von Corpus Christi führte, verlief in Schlangenlinien, sodass man sehr schnell im Straßengraben landen konnte, wenn man unaufmerksam war.
„Dean, Achtung, da vorne ist jemand!“, schrie Sam, als er einen Schatten im Regen erkennen konnte, der direkt in Richtung Highway lief. Sein Bruder reagierte sofort und trat kräftig in die Bremsen, doch auf der regennassen Fahrbahn versagten diese gänzlich, sodass das Heck des Autos einfach weiter schlitterte und der Wagen sich schließlich um 180 Grad drehte, bevor dieser dann endlich zum Stillstand kam.

„Das war knapp!“, keuchte Dean, der vor Schreck den Atem angehalten hatte.
Auch Sam atmete hörbar aus, bevor er die Fensterscheibe herunterkurbelte, da er keine sonderliche Lust hatte, bei diesem Wetter aus dem Wagen zu steigen. Doch ganz konnte Sam dem Nass nicht entgehen, da er sich aus dem Fenster lehnen musste, um zu erkennen, wer ihnen fast vor den Wagen gelaufen wäre.

Gut zwei Meter vom Kofferraum entfernt stand eine mittelgroße Person, nicht größer als ein Meter fünfundsiebzig, allerdings konnte er auf diese Entfernung nichts Näheres sagen, denn dafür war der Regen einfach zu dicht.
„Ist Ihnen etwas passiert!“, brüllte Sam gegen das Prasseln des Regens an.
Die fremde Person musste ihn dennoch gehört haben, da diese sich der Beifahrertür näherte.

Jetzt konnte er deutlich erkennen, wer fast eine Kollision verursacht hätte: Eine junge Frau, nicht älter als 25, die von Kopf bis Fuß durchnässt war. Ihre schulterlangen Haare hingen in triefnassen Strähnen auf ihren Schultern und ihre Kleidung klebte an ihrem Körper.
„Nichts…passiert….!“, presste diese mit klappernden Zähnen hervor.
„Sollen wir Sie bis nach Corpus Christi mitnehmen und Sie dann zu Hause absetzen?“, bot Sam an, denn die Fremde stand wie ein Häufchen Elend im strömenden Regen und man konnte deutlich an ihrem verstörten Blick erkennen, dass ihr der Schock noch tief in den Knochen saß.


„Und das war Evelyn Whitebeart mit dem Wetterbericht…“, dröhnte es aus dem Radio, das Sam genervt abdrehte.

„Ähm…Sir…Sie brauchen mich nicht zu siezen. Nennen sie mich einfach…Evelyn.“
Bevor Evelyn ihren Namen nannte, stockte sie, fast so, als müsse sie erst einmal überlegen, wie sie heiße.
„Das ist Dean, und ich heiße Sam.“, stellte er seinen Bruder und sich kurz vor.
„Was machst du eigentlich bei einem solchen Sauwetter noch draußen?“, ergänzte er ein wenig verwundert, schließlich hatte es nicht plötzlich zu regnen angefangen, sondern das Gewitter hatte sich bereits schon am späten Nachmittag angekündigt.
Evelyn atmete hörbar aus. „Gute Frage….“
Sam merkte aus dem Augenwinkel heraus, wie sein Bruder die Frau mit einem skeptischen Blick musterte.

„Willst du damit sagen, dass du keine Ahnung hast, warum du dich im Wald herumgetrieben hast?“, stellte Dean die Frage, die ihm ebenfalls gerade durch den Kopf gegeistert war.
„Bitte, versteht mich nicht falsch, aber ich weiß es wirklich nicht mehr. Das Letzte, an das ich mich erinnern kann, war, dass ich vom Grollen des Gewitters geweckt worden war.
„Alzheimer oder Gedächtnisverlust?“, fragte sein Bruder so leise, dass nur Sam ihn verstehen konnte.
„Puh, für Alzheimer ist sie eigentlich noch zu jung. Entweder ist sie verrückt oder sie hat tatsächlich das Gedächtnis verloren!“
„Letzteres würde vielleicht auch erklären, warum sie uns eine ehrliche Antwort gegeben hat.“
„Nehmen wir sie einfach mal mit bis zur Stadt und sehen dann weiter?“, schlug Sam erneut vor.
„Damit sie mir die Polsterung ruinieren kann?“, gab Dean entrüstet zurück.
„Äh…“, mehr kam nicht aus Sams Mund, denn er konnte die Reaktion seines Bruders nicht nachvollziehen.
„Hehe. Sammy, dein Gesicht spricht ja ganze Romane. Du hast doch nicht tatsächlich gedacht, dass ich sie hier alleine zurück lassen würde?“

„Steig ein!“, forderte er noch im selben Atemzug Evelyn auf. Diese blickte sich ein wenig ängstlich um, stieg aber schließlich doch ein.
Dankbar ließ sie sich auf die Rückbank gleiten. „Wie lange müssen wir noch bis Corpus Christi fahren?“, richtete Sam die Frage an seinen älteren Bruder, der inzwischen den Wagen wieder angefahren hatte.
„Knappe fünf Minuten.“

„Ähm, ich will nicht unhöflich erscheinen, aber könntet ihr bitte die Heizung ein wenig aufdrehen, mir friert gleich der Hintern ab.“, kam es von der Rückbank, auf der sich Evelyn zu einer Kugel zusammengekauert hatte.
„Kein Problem!“, gab Dean zu verstehen, bevor er ihrer Bitte nachkam.
„Wir können sie unmöglich noch länger in nassen Klamotten hier sitzen lassen…!“, meinte Sam.
„Sammy, Sammy. Hast du heute wieder ein großes Herz!“, gab sein älterer Bruder sarkastisch zurück.
„Dann steig doch gleich mal aus. Du weißt ja, wo deine Tasche ist, dann kannst du ihr ja deine Jeans geben. Wird zwar ein wenig groß sein, aber immerhin besser als gar nichts. Hab ich Recht, Sam?“
„Haha, wirklich ausgesprochen witzig. Aber deine Klamotten können wir Evelyn auf gar keinen Fall anbieten. Bei dem Gestank kippt selbst jemand, der unter chronischem Schnupfen leidet, um.“ Sam setzte eine kleine Kunstpause, bevor er fortfuhr:
„Wann hast du deine Sommerklamotten zu letzt gewaschen? Lass mich kurz nachdenken. War das nicht am Lake Manitoc in Wisconsin? Weißt du noch, Bruderherz, das war die Geschichte mit dem Typ, der in seinem Spülbecken ertrunken ist?“
„Hey, streitet nicht, da vorne kommt schon das Ortsschild.“, mischte sich Evelyn ein.
„Hey, Sam, mir ist da gerade eine Idee gekommen!“, gab Dean zu verstehen, als er nach rechts in Richtung Stadtzentrum abgebogen war.
„O weh, jetzt kommt wieder einer deiner glorreichen Ideen! Na dann, lass mal hören, ich will mich schließlich mal wieder ein wenig amüsieren!“, neckte ihn Sam.
„Wir suchen nach einem Klamottenladen und dann gehen für Evelyn ein paar anständige Kleider kaufen. Im Anschluss können wir uns dann nach ein paar Teilen für uns umsehen!“
„Ich dachte, nur Mädchen gehen freiwillig shoppen?“, gab Sam zu verstehen.
„Hab dich nicht so. Ich spendier dir auch ein Paar Socken. Und außerdem:
Ich weiß nicht, wie es mit deinen Hemden aussieht, meine sehen großteils so aus, als kämen sie direkt aus der Lumpensammlung.“
„Tja. Solltest dir vielleicht mal angewöhnen, auf deine Sachen besser aufzupassen.“, meinte Sam sarkastisch. „Ach sei doch still. Wer ist es denn, der mindestens ein Mal im Monat shoppen geht? Und danach ist dann der Kofferraum MEINES WAGENS zum Bersten mit DEINEN neuen Kleidern gefüllt, sodass ICH den Deckel nur noch zubekomme, wenn ICH mich draufsetze.
„Hey, ihr zwei, da vorne ist ein Laden!“, unterbrach Evelyn die hitzige Diskussion.

Sam wechselte mit seinem älteren Bruder einen finsteren Blick, bevor dieser am Straßenrand den Wagen abstellte.
„Evelyn, du bleibst hier vorerst einmal im Wagen, schließlich können wir dich in deinem Aufzug unmöglich in einen Laden mit hinein nehmen. Wenn du willst kannst du Radio hören und im Handschuhfach liegt noch eine Packung Kekse, falls du Hunger bekommst!“, erklärte Dean. Evelyn nickte kurz und machte es sich dann auf dem Rücksitz bequem.

*
Der Schock saß mir noch immer tief in den Knochen. Hätten dieser Dean den Wagen nur eine Sekunde später abgebremst, wäre ich hundertprozentig unter die Räder geraten. Wer weiß, ob ich das überlebt hätte. Wie konnte man nur so leichtsinnig sein, einfach auf den Highway bei strömenden Regen zu laufen, wo man nicht einmal hören, geschweige denn sehen konnte, ob sich ein Auto näherte?
Wie konnte ich nur so in meine Gedanken vertieft sein, dass ich nicht einmal mehr mitbekam, dass ich soeben auf die Straße gelaufen war? Ich versuchte das Geschehene noch einmal Revue passieren zu lassen, doch ich konnte mich kaum konzentrieren. In meinem Kopf tobte das Chaos. Die Fernlichter des Wagens, die mich blendeten, das Quietschen der Reifen…
Die Bilder überschlugen sich, streiften an meinem inneren Auge wie schlecht aneinander gereihte Filmszenen vorbei. Ich konnte keinen halbwegs klaren Gedanken mehr fassen. Zunächst einmal musste ich unbedingt zur Ruhe kommen.

Ich schaltete das Autoradio ein, auf dem ein alter Rockmusiksender eingestellt war, ein und drehte solange an den Knöpfen, bis ich einen Klassiksender gefunden hatte.
Dann zog ich mich wieder auf die Rückbank zurück und lauschte der leisen Streichermusik. Ich hatte keine Ahnung, von wem diese Komposition stammte, aber mit gefiel das Zusammenwirken von Geige und Cello, die eine beruhigende Wirkung auf mich hatten. Jetzt endlich konnte ich auch meine Gedanken ein wenig sortieren.

Alles, an das ich mich nach meinem Aufwachen in diesem Waldstück erinnern konnte, war der Regen, der mir ins Gesicht peitschte und die Einsamkeit, die mich umgab. Anfangs hatte ich Angst gehabt. Unbeschreibbare Angst, die sich nach und nach in Panik verwandelte, als ich realisiert hatte, dass ich mich an nichts mehr erinnern konnte. Naja, nicht ganz. Ich hatte keinerlei Probleme damit, Dinge seinem Namen zuzuordnen oder Bewegungsabläufe abzurufen. Aber jegliche Erinnerung an meine Vergangenheit war wie ausradiert. Totalcrash. Wieder von neuem starten.

Ich durchforstete erneut mein Gedächtnis, doch ich musste mir wieder eingestehen, dass ich mich an nichts mehr erinnern konnte. Wenn ich versuchte mich an ein Geschehnis der letzten Tage zu erinnern, stieß ich auf eine unsichtbare Barriere, hinter der meine ganzen Erinnerungen weggesperrt waren. Um mich besser konzentrieren zu können, kniff ich meine Augen zusammen, doch das Ergebnis noch immer das gleiche. Mir kam es so vor, als würde dies mein erster Tag auf Erden sein. Aber so etwas war praktisch unmöglich. Was war bloß mit mir geschehen? Kein normaler Mensch verliert schließlich ohne einen Grund einfach so sein Gedächtnis. Wie sollte es überhaupt mit mir weitergehen? Weder wusste ich woher ich kam, noch wie ich hieß.

Als ich mich den beiden vorgestellt hatte, hatte ich den Namen genannt, mit der sich die Nachrichtensprecherin aus dem Radio vorgestellt hatte. Vielleicht gab es einen in der Stadt, der mich als vermisst gemeldet hatte. Die Skepsis, die mir die Brüder entgegenbrachten, konnte ich nur zu gut nachvollziehen, denn ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich mich in dieser Situation verhalten hätte. Außerdem schienen es die beiden gut mit mir zu meinen, andernfalls wären sie niemals für mich einkaufen gegangen oder hätten mich mitgenommen. Wie konnte ich mich dafür nur erkenntlich zeigen?

Mein Blick schweifte im Wagen umher und sofort fiel mir ein ganzer Stapel Papiere auf, die lieblos unter den Vordersitz gepresst worden waren. Neugierig zog ich sie heraus und staunte nicht schlecht, denn aus dieser Sichtweise glich der Wagen einem fahrenden Müllcontainer. Verpackungspapier von Fast Food, zu einer Kugel zusammengeknüllt, und reihenweiße Quittungen von Tankstellen oder Hotelzimmern. Es sah ganz so aus, als würden die Brüder den Großteil ihres Lebens in Motelzimmern und diesem Auto verbringen. Im Moment war ich allerdings zu müde, um mir über solche Dinge den Kopf zu zerbrechen, deshalb bugsierte ich das Altpapier wieder an seinen Platz zurück, machte es mir wieder auf der Rückbank gemütlich und lauschte noch ein wenig der klassischen Musik, bis ich einschlief.
*

-------

TBC


Zuletzt von Nessaja am Sa März 13, 2010 1:27 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

Awfully Toxic
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Re: Ti Sento Timore

Beitrag  Awfully Toxic am Di März 02, 2010 7:29 pm

Teil 3:

Nachdem die Brüder die kleine, schmuddelige Boutique betreten hatten, wurden sie von einer freundlichen, älteren Dame begrüßt. Da der Laden menschenleer war, kam dieser die Kundschaft scheinbar sehr gelegen.
„Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie mit weicher Stimme.
„Wir suchen Klamotten, die nicht all zu teuer sind, aber trotzdem nicht gleich nach der ersten Wäsche aussehen, als wären sie schon mehrere Jahre getragen worden!“, erklärte Sam ausführlich.
„Kein Problem, wir haben erst letzte Woche neue Ware geliefert bekommen, unter der Sie bestimmt etwas Passendes für sich finden.“
„Wir hätten zunächst einmal an Frauenbekleidung gedacht…!“, erklärte Sam kleinlaut.
„Sind sie sich sicher?“, fragte die Frau und betrachtete die beiden misstrauisch.
„Jep, da sind wir uns ganz sicher. Wissen Sie, seine Freundin hat morgen Geburtstag und der Liebe hat mal wieder total verplant ein passendes Geschenk für sie zu kaufen!“, erklärte Dean mit breitem Grinsen. „Hab ich Recht?“, fügte er noch hinzu, während er seinem Bruder mit dem Ellebogen kameradschaftlich in die Seite boxte.
Sam druckste ein wenig beschämt vor sich rum, doch die Verkäuferin ging gar nicht weiter darauf ein, sondern schickte sie in die erste Etage.

„Wissen Sie, seine Freundin hat morgen Geburtstag und der Liebe hat mal wieder total verplant ein passendes Geschenk für sie zu kaufen!“, äffte Sam seinen Bruder nach, als sie die Treppe hinaufstiegen. „Apropos. Was machen wir denn jetzt mit Evelyn? Wir können sie doch unmöglich durch das halbe Land mitschleppen.“
„Das hab ich ja auch nie gesagt. Wir behalten sie einfach solange bei uns, bis wir wieder weiter müssen.“
„Sag mal. Hast du keine Minute daran gedacht, dass sie uns vielleicht nach Strich und Faden verarscht. Schließlich verliert man nicht von heute auf morgen einfach so sein Gedächtnis.“
„Meinst du wirklich. Sie sieht jetzt nicht unbedingt danach aus, als würde sie uns zum Narren halten wollen.“, verteidigte Sam Evelyn.
„Heißt das etwa, dass eine Frau dir nur vor den Wagen laufen muss, dann traust du ihr auch schon.“, fragte Dean ein wenig entrüstet.
„Das hab ich nie behauptet!“
„Sam, ernsthaft. Evelyn braucht fachmännische Hilfe. Wir sollten sie zu einem Psychologen bringen!“ „Und wo willst du bitte an einem Freitag Abend einen Psychologen auftreiben? Bis Sonntag müssen wir sie auf jeden Fall bei uns behalten.“
„In einem Krankenhaus gibt es sicher auch jemand, der ihr helfen kann.“, schlug Dean vor.
„Aber überleg doch mal. Außer uns kennt sie doch keinen. Wie würdest du dich denn in einer solchen Situation fühlen, wenn du einfach abgeschoben wirst?“ Doch sein älterer Bruder kam nicht mehr dazu zu antworten, denn in diesem Moment kam die Verkäuferin mit schwerfälligen Schritten die Treppe hinauf.

Sie verbrachten noch eine geschlagene Stunde im Laden, bis sie schließlich die passenden Hosen, Hemden, eine Winterjacke und den restlichen Kleinkram gefunden hatten, denn die Verkäuferin war wild davon überzeugt gewesen, ihnen das ganze Sortiment anzudrehen. Bei jedem einzelnen Teil hielt sie ihnen einen Vortrag über das Land, in dem die Klamotten hergestellt worden waren.
„Man kann fast meinen, sie schaut den ganzen Tag irgendwelche Reisereportagen.“, hatte Sam seinem Bruder zugeflüstert, als die Verkäuferin mit einem Stapel Kaschmirpullover angerückt war. Am Ende war selbst Dean so genervt, dass er sämtliche Teile entgegen nahm, damit die Frau endlich ihren Mund hielt. Während Sam schon die nächsten Stücke begutachtete, tat Dean sein Möglichstes, um die Klamotten unauffällig wieder zwischen den Ständern wieder verschwinden zu lassen. Als sein älterer Bruder schließlich an der Kasse bezahlte, merkten die sie erst, das sie viel zu viel eingekauft hatten, aber jetzt konnten sie unmöglich einen Rückzieher machen. „Naja!“, hatte Dean gemurmelt, als sein Blick auf die Quittung fiel, „Evelyn wird sich freuen.“

Fix und fertig stapften die beiden mit drei randvollen Plastiktüten aus dem Laden. Die Tüten durfte Dean zum Wagen tragen, denn es war laut Sam auch seine Idee gewesen shoppen zu gehen. Als sie am Impala angekommen waren, drangen von Innen gedämpft klassische Musik nach draußen.
„Ach du meine Güte. Was ist das denn für ein Geräusch?“, fragte Dean entsetzt, der unter der Last der Einkaufstüten leicht ins Schwitzen geraten war.
„Das mein Lieber, ist der Auftakt zu Beethovens 5. Symphonie!“
„Woher weißt du denn das schon wieder? Sag nicht, dass man das auf dem College lernt.“
„Das gehört zur Allgemeinbildung.“
„Aber die dulde ich nicht in meinem Wagen. Schließlich bin ich der Fahrer und der Fahrer bestimmt die Musik.“
Besorgt blickte Dean durch die angelaufenen Scheiben hindurch, ob Evelyn noch mehr mit seinem Wagen angestellt hatte, als nur an den Knöpfen des Radios herumzudrehen.
„Kannst du was erkennen?“, fragte Sam, der hinter seinem Bruder stand.
„Nicht viel, dafür sind die Scheiben zu sehr angelaufen.“
„Evelyn, wir sind wieder da!“, pfiff er mit aufgesetzter, guter Miene. Allerdings erwiderte niemand seinen Gruß.
Verwirrt blickte er Sam an und forderte ihm mit einem Kopfnicken dazu auf, endlich den Wagen aufzumachen, denn er hatte bereits beide Hände voll.
Keuchend wuchtete Dean die Tüten auf den Beifahrersitz und blickte sich sofort nach Evelyn um. „Sie schläft.“, gab Dean sichtbar erleichtert bekannt.
„Soll ich sie wecken oder besser noch schlafen lassen?“, fragte Dean verunsichert seinen Bruder, der inzwischen auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte.

„Lass sie noch ein wenig schlafen. Ich glaube nämlich nicht, dass sie sonderlich erfreut darüber wäre, wenn du sie um ihren Schönheitsschlaf bringen würdest. Und außerdem trägt sie ihre nassen Klamotten schon länger, da kommt es auf ein paar Stunden mehr oder weniger nicht mehr an.“
„Bist du dir da sicher? Und was ist, wenn sie morgen unausstehlich ist, weil sie sich eine saftige Erkältung eingefangen hat.“
„Meine Güte, dann weck sie halt. Aber schieb mir nicht die Schuld in die Schuhe, wenn sie gereizt ist.“, meckerte Sam. Dean drehte sich nach hinten um und schüttelte Evelyn sanft an den Schultern. „Hey, ich will noch schlafen!“, knurrte sie und wäre fast von der Rückbank herunter gefallen, als sie sich umdrehte. „Du kannst später weiterschlafen, aber erst einmal ziehst du dir trockene Klamotten an.“
Müde blinzelte sie, bevor sie schlagartig die Augen aufschlug.
„Tschuldigung.“, nuschelte sie. „Hab gerade nur so gut geschlafen.“ Dean drehte sich kurz zu seinem Bruder um, der seinen Weckversuch durch den Rückspiegel mit angesehen hatte.
„Wie war das doch gleich mit der Kratzbürste?“, fragte Dean herausfordernd. Unschuldig zog Sam seine Schultern hoch.
„Hab ich da gerade „Kratzbürste“ gehört? Ich hoffe nur, dass sich das nicht auf mich bezogen hatte!“, empörte sie sich im Scherz.
„Nein. Wie kommst du denn darauf?“, entgegneten sein Bruder und er aus einem Munde.

„Fein!“, meinte Evelyn freudig. „Dann lasst mal sehen. was ihr alles Tolles eingekauft habt!“ Ihre Müdigkeit war wie weggeblasen.
Dean reichte ihr die erste Tüte hinter. Tatenkräftig zog sie auch schon das oberste Teil aus der Tasche.
„Oh! Was haben wir denn hier? Eine Röhrenjeans und eine Hose im Used-Look…“
„…Und alles zwei Nummern zu groß!“, ergänze Evelyn, nachdem sie einen Blick auf den Zettel geworfen hatte.
„ Was zu groß? Gib her, wir tauschen sie gleich um.“, schlug Sam hektisch vor, weil er Dean dazu aufgefordert hatte, die Hosen in dieser Größe zu kaufen.
„Hey, ich mach mir doch nicht wegen zu großer Hosen ins Hemd. Die wasche ich einfach ein wenig heißer und dann passen sie wieder!“

Dann äugte sie neugierig in die zweite Tüte, in der die T-Shirts waren, nahm einige Stücke heraus, musterte sie kritisch, bevor ihr ein Lächeln über das Gesicht huschte.
„Hey, danke. Euch kann man wirklich einkaufen schicken. Die Teile sind ja der Wahnsinn, vor allem der hübsche Pulli hier.“, strahlte sie freudig, als sie einen kuscheligen orange-schwarz gestreiften Wollpulli in die Luft hob. Erleichtert atmete Sam auf, denn dieses Stück hatte er ausgesucht. „Wisst ihr, man kann ja nie genug warme Klamotten im Schrank liegen haben. Nicht auszudenken, wenn plötzlich die Heizung ausfällt und man nichts Besseres zum Anziehen hat, als ein Top.“ Während Evelyn dies sagte, setzte sie einen ernsten Gesichtsausdruck auf, sodass Sam anfangs dachten, dass der Kommentar bezüglich des Pullis sarkastisch gemeint war. Dann fing sie herzhaft an zu lachen, in das auch sein Bruder und er mit einstimmten. „Ne Scherz beiseite. Die Klamotten sind echt chic und das Problem mit den Hosen lässt sich auch ganz schnell aus dem Weg räumen.“, erklärte sie nach Atem ringend.
„Ähm, dann lassen wir dich mal kurz alleine, damit du dich umziehen kannst. Die nassen Kleider steck einfach in eine der Einkaufstüten.“
„Kein Problem, Dean.“
Innerhalb von wenigen Minuten hatte sie sich umgezogen. Die Hose im Used-Look, die an den Hüften zwar ein wenig locker saß, hatte sie mit dem orange-schwarzen Pulli kombiniert. Stolz stieg sie aus dem Wagen und präsentierte sich ihnen.
Anerkennend pfiff Dean. „Nicht schlecht.“, erwiderte Sam.
„Danke, Jungs.“
„Nichts zu danken.“, stammelte Sam.
„Also gut, dann lasst uns weiter fahren und uns nach einem Motel umsehen.“

Eine Stunde später betraten die drei eine kleine Pension in der Nähe des Hafens.
„Guten Tag, die Dame und die Herren. Was kann ich für sie tun?“, empfing sie eine noch ziemlich junge Frau an der Rezeption, die mit neidischem Blick Evelyns Pulli musterte.
„Wir bräuchten ein Zimmer für die Nacht.“, erklärte Dean.
„Lassen Sie mich mal schauen, was wir für Sie hätten.“ Die Frau ging zu einem Computer und kam auch schon nach einer Minute wieder zu ihnen zurück. „Oh, ich sehe gerade, dass kein passendes Zimmer mehr frei ist.
„Ich kann Ihnen aber ein Einzelzimmer und ein Doppelzimmer für Sie und ihre Freundin anbieten.“, richtete sie das Wort an Dean und Evelyn. Sam, der hinter den beiden stand, übersah sie großzügig. „Kein Problem, dann nehme ich das Einzelzimmer!“, mischte sich Evelyn ein, die nicht wollte, dass die Brüder anfingen zu streiten, wer mit ihr in einem Zimmer schlafen sollte.
Nachdem Sam gezahlt hatte, drehte er sich auch zu seinem Bruder um, und fragte mit herablassendem Ton.
„Dean, gibt es da etwas zwischen dir und Evelyn, von dem ich noch nichts weiß?“
Beide verneinten.
„Aber mir fällt da etwas ein. Du hast deinen Wagen im Be-und Entladebereich geparkt.“
„Ach du Scheiße. Moment, ich bin gleich wieder da. Warum hast du mir das eigentlich nicht früher gesagt?“, fragte Dean verärgert, da er befürchtete, dass der Wagen in diesem Moment bereits abgeschleppt wurde.
„Mich hat ja keiner gefragt.“

„Vielen Dank für Ihre Bemühungen. Wir nehmen die beiden Zimmer.“, nahm Sam das Gespräch wieder auf.
„Die Suiten müssen bis morgen früh um 10 Uhr wieder geräumt sein.“, erläuterte die Dame.
„Wenn Sie noch länger bei uns verweilen möchten, melden sie sich bitte bis eine Stunde vor Abreise. Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt.“, leierte sie herunter und reichte Sam die beiden, kleinen Schlüssel. In diesem Moment kam Dean mit dem restlichen Gepäck und leicht durchnässt, da es noch immer regnete, in die Eingangshalle zurück.
„Habt ihr die Zimmer?“, fragte er keuchend.
„Jep. Zimmer 201 und 212.“
„Liegen die nicht nebeneinander?“, richtete Dean seine Frage an die Frau an der Rezeption.
„Tut mir leid, der Herr. Zimmer 201 liegt im Rechten Teil des Hauses und 212 ist am anderen Ende des Flures. Zweiter Stock. “
Doch die Augen der Frau verrieten, dass es ihr keines Falls Leid tat.
„Lasst und gehen!“, schlug Dean vor und marschierte richtig Aufzug, doch die Frau von der Rezeption hielt ihn zurück.
„Mit größtem Bedauern muss ich ihnen leider sagen, dass der Lift noch immer nicht repariert wurde. Aber gegen eine kleine Bezahlung, kümmern wir uns um Ihr Gepäck.“
Dean deutete ein Würgreiz an, da ihm die Dame langsam auf den Geist ging. „Machen sie sich deswegen keinen Umstand, wir sind noch fit, da schaffen wir es locker, ein paar Taschen in den zweiten Stock zu tragen.“, erklärte Sam diplomatisch, da er auf jeden Fall vermeiden wollte, dass die Taschen mit den Gewehren sowie dem anderen Krempel, den sie für die Jagd brauchten, in falsche Hände geriet.
Die Frau verabschiedete sich noch mit säuerlicher Miene und wandte sich wieder ihrem Computer zu.
Im zweiten Stock angekommen, trennten sie sich erst einmal von Evelyn, da diese ein wenig für sich allein sein wollte.

*
Ein dumpfes Klopfen direkt neben meinem Kopfkissen, riss mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf.
Was war das denn?, dachte ich erschreckt, während ich in die Stille hineinlauschte. Vielleicht hatte ich mir dieses Geräusch nur eingebildet, denn im Moment war es so still im Zimmer, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Obwohl ich hundemüde war und nur zu gerne weitergeschlafen hätte, wollte ich mich dennoch vergewissern, dass alles in Ordnung war.
Ich knipste die Nachttischlampe neben meinem Bett an, die ein leicht diffuses rötliches Licht absonderte. Das kleine, spartanisch eingerichtete Zimmer war absolut leer. Außer mir war natürlich keiner im Raum. Nichts erschien mir ungewöhnlich. Neben dem Bett standen die drei Einkaufstüten und über der Lehne eines Stuhles hingen meine Klamotten, die ich am Abend ordentlich gefaltet hatte. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, woher das Geräusch hätte stammen sollen. Auch wenn ich zugeben musste, dass der gestrige Tag mehr als anstrengend gewesen war, würde ich mich niemals damit abfinden, dass dieser Laut meiner Fantasie entsprungen war, denn dafür hatte es sich einfach zu real angehört. Ich quälte mich aus dem Bett und zog mich an. Konnte man fühlen, wenn man beobachtet wird? Wenn ja, spürte ich förmlich auf meinem Rücken die bohrenden Blicke.
Plötzlich hörte ich einen quietschenden Laut, der sich nach dem Schaben auf Glas anhörte. Er dauerte nicht lange an war aber so intensiv, dass sich meine Nackenhärchen aufstellten. Fast so schlimm, wie das Kratzen auf Styropor. Er schien direkt vom Fenster gegenüber des Bettes, gekommen zu sein. Ob ich Sam und Dean wecken sollte? Doch sofort entschied ich mich dagegen, da die Brüder sich sicher nicht sehr freuen würden, wenn ich sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf riss, nur weil ich unerklärliche Geräusche hörte.
Das Beste wäre, wenn ich mich einfach wieder hinlegen und weiter schlafen würde, aber wahrscheinlich hätte ich wach gelegen und gewartet, bis ich dieses Geräusch noch ein weiteres Mal gehört hätte. Ich musste unbedingt herausfinden, wer diesen Laut verursacht hatte, wenn ich weiterschlafen wollte. Als ich meinen Blick auf das Fenster warf, sah ich aus dem Augenwinkel heraus einen schwarzen Schatten an der Scheibe vorbeiziehen. Ich wollte schreien, doch meine Lippen bewegten sich keinen Millimeter. Mein Herz raste so sehr, dass es fast an den Rippen anstieß.
Völlig fertig mit den Nerven und nach Atem ringend ließ ich mich auf das Bett sinken. Ich konnte beim besten Willen nicht mehr. Wie sollte jemand mich durch ein Fenster im zweiten Stock beobachten und dann blitzschnell zu verschwinden?
Die plausibelste Antwort war wohl, dass mir meine Fantasie einen Streich gespielt hatte. Mit wackeligen Beinen tapste ich zum verschlossenen Fenster. Ich musste unbedingt wissen, ob jemand gerade an meinem Fenster gewesen war. Nachdem ich es geöffnet hatte, beugte ich mich nach draußen, wo mich eine eisige Novemberluft empfing.
Die Hausfassade war nahezu glatt. Weit und breit war keine Regenrinne oder ein Baum zu sehen, von dem man hätte ins Zimmer blicken können. Es war praktisch unmöglich zu den Zimmern der zweiten Etage ohne Hilfsmittel heraufzuklettern. Aber vielleicht kam der Fremde gar nicht von unten. Was wäre, wenn er vom Dach her sich wie eine Spinne zu meinem Fenster herabgelassen hatte. Saß er vielleicht in diesem Moment auf der Dachrinne und amüsierte sich, weil er mich zu Tode erschreckt hatte. Ich traute mich nicht einmal nach oben zu sehen.
Da war es wieder. Das Gefühl beobachtet zu werden. Noch intensiver als beim ersten Mal.
Schnell schloss ich das Fenster wieder, bevor ich auch noch Gespenster sah. Zitternd stieg ich ins Bett und merkte nicht einmal, wie ich total erschöpft in den Schlaf sank.

Keine halbe Stunde später wurde ich nochmals geweckt. Bedauern tat ich dies allerdings nicht. Wie konnte man nur in einer so kurzen Zeitspanne einen solchen Mist zusammenträumen, dass man wie nach einem Marathon durchgeschwitzt war? Sofort merkte ich, dass mir kalt war; und das lag gewiss nicht daran, dass ich bis auf die Haut durchnässt war und nun fröstelte. Es war viel zu kalt im Zimmer. Hatte ich vergessen die Heizung nach dem Duschen wieder aufzudrehen oder war die Heizung gänzlich ausgefallen? Ich kroch unter der Decke hervor, als ein kalter, beißender Luftzug meine Beine umspielte. Im Stillen ahnte ich bereits, wo dieser Zug hergekommen war. Ich schaltete das Licht an; blickte kurz in Richtung Fenster. Es stand sperrangelweit offen. Meine Befürchtung hatte sich bewahrheitet. War ich mir eben nicht noch hundertprozentig sicher gewesen, es geschlossen zu haben? Konnte sich ein Fenster von alleine geöffnet haben? Nein, natürlich nicht. Die plausibelste Lösung war, dass ich nur geträumt hatte, es zu schließen. Oder hatte ich es im Traum vielleicht geöffnet? Quatsch, denn das würde ja bedeuten, dass ich schlafwandeln würde. Diese Fragen trieben mich fast in den Wahnsinn. Alles waren nur Spekulationen, in die ich mich immer weiter hinein steigerte. Warum war ich noch nicht auf die Idee gekommen, das Fenster einfach zu schließen und dann zu verbarrikadieren?

Als ich aufstand knarrte das Bettgestell leiste, jedoch so laut, dass ich erschreckt zusammenfuhr. Meine Nerven waren zum Zerreißen angespannt. Jedes noch so leise Geräusch versetzte mich in angst und schrecken. Das Rauschen der Wasserrohre, anfangs hatte ich sie nicht einmal wahrgenommen, erschien mir jetzt so laut, dass ich sie unmöglich überhören konnte. Anfangs waren meine Schritte noch sehr klein, denn jeder einzelne verlange mir eine Menge Kraft und Überwindung ab. Doch es musste getan werden, schließlich konnte ich nicht den Rest der Nacht in meinem Bett frieren und hoffen, dass sich das Fenster von alleine wieder schließt.
Dann war ich auch schon am Fenstersims. So lange waren mir gefühlte drei Meter noch nie vorgekommen. Ich beugte mich nach draußen und blickte direkt in den leeren Jachthafen, über dem eine dichte Nebelwand schwebte. Urplötzlich pfiff ein eiskalter, durch Mark und Bein gehender Wind vom Meer her. Woher kam diese Böe bloß? Es war doch eine nahezu windstille Nacht.
Von einem Moment auf den anderen riss diese Nebelwand kurz auf. Dann sah ich es….


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Der nächste Teil gibt es in ein paar Tagen...

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Re: Ti Sento Timore

Beitrag  Awfully Toxic am Sa März 13, 2010 1:19 pm

Hier ist der nächste Teil.

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Nachdem Sam und Dean ihre Sachen so weit zusammengeräumt hatten, dass sie weiterfahren konnten, beschloss Dean Evelyn wecken zu gehen. Denn es war bereits kurz nach 6 Uhr am Morgen und vor ihnen lag noch eine mehrstündige Autofahrt Richtung Minneapolis, denn dort wartete bereits ein zorniger Poltergeist auf sie.

Dean marschierte den Gang zu Evelyns Suite herunter und klopfte drei Mal an der Tür. Drinnen regte sich nichts. Kein Wunder, dachte Dean bei sich, sie wird bestimmt noch schlafen. Er klopfte noch einmal, ein wenig lauter als zu vor. Endlich hörte er das Quietschen eines Bettegestells und dann einen Schrei.
„Evelyn? Geht es dir gut?“, fragte Dean besorgt, doch er erhielt keinen Antwort.
„Kann ich rein kommen?“ Wieder keiner Antwort.
„Ich werde die Tür in einer Minute aufbrechen, wenn du mir jetzt nicht erklärst, was los ist!“

Langsam machte Dean sich wirklich Sorgen um ihr Wohlbefinden. Als er seinen Dietrich aus der Hosentasche zog, um das Türschloss zu knacken, vernahm er von innen ein leises Klicken.

„Evelyn?“

Als er seine Hand um den Türknauf legte und diesen leicht drehte, schwang diese auch schon auf. Wenige Schritte dahinter stand Evelyn. Ihre Kleider waren so zerknittert, dass Dean darauf schloss, dass sie in ihnen geschlafen hatte.
„Geht es dir gut?“, fragte er, da sie noch immer nichts gesagt hatte und ihn anblickte, als sei er ein Gespenst.
Evelyn senkte beschämt den Kopf, bevor sie fast flüsternd entgegnete:
„Geht schon wieder. Ich hab mich nur ziemlich erschreckt.“
Prüfend blickte er sie an, denn in ihrer Stimme schwang ein ängstlicher Ton mit.
„Sicher?“
„Jaja, mir geht es gut.“, bestätigte sie, allerdings nicht so glaubhaft, dass Dean es ihr auf Anhieb hätte abgekauft. „Sag mal. „Was hast du mit deinem Fenster angestellt?“, fragte er verwundert, als sein Blick auf einen dunkeln Handabdruck in mitten der Scheibe fiel.

„Mit dem Fenster? Nichts hab ich mir dem gemacht!“, antwortete sie hektisch ohne auch nur einen Blick zum Fenster zu werfen. Doch Dean spürte sofort, dass Evelyn mehr wusste, als sie zugab.
„Willst du mir damit sagen, dass dieser Fleck von alleine dorthin gekommen ist?“ Jetzt erst wandte sie sich dem Fenster zu. Er trat einen Schritt zurück, um ihre Reaktion zu sehen. In ihrem Gesicht waren pures Entsetzen und Angst eingemeißelt. Sofort tat ihm seine Frage leid, denn er hatte mit einer solchen Reaktion nicht im Entferntesten gerechnet.

„Was ist los mit dir? Du bist heute Morgen irgendwie total gegen den Wind gedreht.“, fragte Dean einfühlsam. Die Sache mit dem dunklen Fleck, der einem Handabdruck glich, würde er vorerst auf sich beruhen lassen, denn er wollte sie nicht dazu drängen. Wenn Evelyn bereit dazu war, würde sie vielleicht mit ihm darüber sprechen.

„Mir geht es gut!“, unterbrach sie seinen Gedankengang.
„Also gut. Dann pack deine Sachen. Wir frühstücken kurz am Hafencafe und dann fahren wir weiter.“, schlug er vor, um sie auf andere Gedanken zu bringen.
„Warum ausgerechnet am Hafen? Können wir nicht in der Innenstadt frühstücken?“
Misstrauisch blickte Dean direkt in ihre Augen.
„Was hast du am Hafen auszusetzen?“
Beschämt wich sie seinem Blick aus.
„Hey. Was ist denn los? Ich sehe doch genau, dass dir etwas Angst bereitet.“
„Im Moment ist alles gerade ein wenig zu viel…“, sagte sie und ließ sich auf das Bett fallen.

Dean setzte sich neben sie und legte ihr zur Beruhigung seinen Arm um die Schulter.
„Wenn du willst, kannst du mit mir darüber reden.“, bot er mitfühlend an.
„Ich bin heute Nacht aufgewacht, weil mich ein komischer Klopflaut geweckt hat.“, fing sie zu seiner Verwunderung, dass sie doch über ihr Erlebnis zu sprechen bereit war, an zu erzählen.
„Als ich nachgesehen hatte, war alles wie sonst. Und als ich dann später noch mal aufgewacht bin, stand das Fenster sperrangelweit offen. Naja. Und als ich es dann wieder schließen wollte, hab ich mich kurz aus dem Fensterrahmen gebeugt, um in den Jachthafen zu schauen. Und dann sah ich es. Aber ich meine, dass kann gar nicht sein. Dass muss ich mir eingebildet haben. So etwas kann doch gar nicht existieren.“

Bei den letzten Sätzen überschlug sich ihre Stimme, sodass Dean ihr nicht mehr folgen konnte.
„Was hast du gesehen?“
„Da war nichts. Ich hab mir das bestimmt nur eingebildet…“
„Was haltest du davon, wenn du mir einfach sagst, was du gesehen hast, und dann entscheiden wir, ob es eine Einbildung war oder nicht?“, hakte Dean beunruhigt fort.
„Da war ein Schiff…“ Sofort merkte er, welche Überwindung sie dieser Satz gerade gekostet hatte.
„Kannst du es beschreiben?“
„Ich hab es nicht lang gesehen. Es ist nur kurz hinter der Nebelwand hervorgekommen, hat gewendet und ist dann wieder verschwunden.“
„Kannst du mir sagen, was genau dir an diesem Schiff solche Angst gemacht hat?“, fragte Dean weiter.
„Das Segelschiff hatte silbrig geleuchtet und weder die Segel waren gesetzt noch war jemand an Deck. Aber Dean, so etwas gibt es doch nur in schlechten Filmen.“, fügte sie hinzu.

Dean atmete hörbar auf. Anscheinend mussten sie gar nicht bis nach Minneapolis fahren, hier wartete offensichtlich ein Geisterschiff auf seinen Bruder und ihn.
„Hast du gesehen, wie es heißt?“
„Nur die Anfangsbuchstaben. S-I-L. Mehr nicht. Tut mir leid.“ Aber wenn du willst, kann ich es aufmalen.“

Er reichte ihr sofort eine zerknitterte Hotelquittung und einen Kugelschreiber aus seiner Jackentasche. Evelyn betrachtete das leere Papier kurz, schloss dann die Augen, und als sie diese wieder öffnete, setzte sie den Kuli auf dem Papier an, um die ersten Striche zu zeichnen. Dean äugte neugierig auf das Papier, auf dem die Umrisse eines Segelschiffes schon zu sehen waren. Ihr schien dies allerdings nichts auszumachen, denn sie setzte ihr Werk unbeirrt fort.

Erst zeichnete Evelyn den Rumpf des Schiffes fertig und dann machte sie sich an der Takelage zu schaffen. Sie hatte kaum fünf Minuten gebraucht, um ihr Werk zu beenden. Auf den Bug hat Evelyn die drei Buchstaben S, I, L geschrieben. Da sie diese sehr nah an den Bug gesetzte hatte, vermutete Dean, dass der Name des Schiffes ein längerer sein musste.

„Fertig. Besonders detailgetreu ist es nicht… “, verkündete Evelyn und reichte es ihm. Er begutachtete das Kunstwerk, das auch wenn es nur eine Skizze war, sehr gut getroffen war, bevor er es in der Mitte einmal faltete und in der Jackentasche verschwinden ließ.
„Vielen Dank. Ich werde es Sam zeigen und dann sehen wir weiter, ob wir etwas damit anfangen können.“

„Willst du damit sagen, dass ich mir das Ding nicht eingebildet hab.“
„Im Moment kann ich dir nur so viel sagen: Mach dir keine Gedanken darüber, ob du dir das nur eingebildet hast oder nicht. Mein Bruder und ich werden uns darum kümmern. Du kannst vorerst also unbesorgt sein.“ Die Betonung lag unüberhörbar auf „vorerst“.
„Aber so etwas wie ein Geisterschiff existiert doch gar nicht…“
Dean fühlte, dass es jetzt an der Zeit war, Evelyn reinen Wein einzuschenken, denn sie war schon viel zu tief in diesem neuen Fall verstrickt.“
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(Fortsetzung folgt)

Über Reviews würde ich mich sehr freuen.

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